Outdoor Kameras – empfehlenswert oder teurer Schrott?

Im folgenden Artikel beschäftige ich mit dem breiten Angebot an so genannten „Ruggedized“-Kameras oder Outdoor Kameras und erkläre, ob man sie als halbwegs ambitionierter Fotograf kaufen solte, oder nicht.

Es treten die Ricoh WG-5 GPS, die Olympus TG-3 und die Panasonic DMC-FT5 gegen eine nun acht Jahre alte Mittelklasse-Kompaktkamera – die Canon Powershot G9 an. Außer Konkurrenz werfe ich einen Blick auf die Nikon 1-AW1.

Die oben genannten Kameras stellen einen Querschnitt durch das Angebot der verschiedensten Hersteller dar. Motivation für den Test war die Hoffnung eine „immer-dabei“-Kamera zu finden, die kompakt, wasserdicht und hart im Nehmen ist. Ich wünsche mir eine Kamera als ständigen Begleiter. Sowohl für den Motiv-Glückstreffer bei gutem Wetter, als auch für Gelegenheitsschnappschüsse meiner Kinder bei schlechtem Wetter soll die Kamera für mich als ambitionierten Fotografen Resultate ermöglichen, die besser oder zumindest nicht schlechter als die meiner nun acht Jahre alten Canon Powershot G9 sind.

Dabei soll die erreichbare Bildqualität sowohl für Abzüge bis etwa DIN-A4, also auch für die gängigsten sozialen Medien genügen. Beim Test stand also die unter üblichen Bedingungen erreichbare Bildqualität im Vordergrund, gefolgt von der Handhabung und der Haptik.

Der Grundsatz, dass kein Bild schlechter als das nicht geschossene ist, ist prinzipiell richtig. Auch, dass man mangelndes fotografisches Können nicht mit Technik kompensieren kann – jedoch finde ich Fotos, die man aufgrund technischer Unzulänglichkeiten für den geplanten Einsatzzweck nicht verwenden kann, inakzeptabel.

Warum vergleiche ich die Kameras mit der Canon Powershot G9? Üblicherweise fotografiere ich mit meiner Canon EOS 6D mit der sich in so ziemlich jeder Situation sehr ansprechende Bilder schießen lassen. Die alte Powershot G9 war bisher mein Begleiter für die Ausflüge, bei denen einfach keine Spiegelreflexkamera in die Tasche passte und stellt für mich immer noch das ungefähre Mindestmaß an akzeptabler Bildqualität dar. Ich habe sie für den Test herangezogen um einen absoluten Vergleich zu haben und nicht nur mit Aussagen wie dieser:

„für diese Klasse von Kameras durchschnittlicher Bildqualität…“

zu dienen. Für mich stellt sich also die Frage: Sind die aktuell gängigen, preiswerten ruggedized Kameras für mich und andere ambitioniere Fotografen geeignet?

Das Testfeld

Ich habe lange über die Einsatzszenarien und die Anforderungen an eine neue Kompaktkamera nachgedacht und viel recherchiert. Dabei war der Preis zunächst zweitrangig. Abgesehen von der typtischen GoPro oder teuren Speziallösungen hat sich für mich die allgemeine Klasse von ruggedized Kameras als die richtige herausgestellt. Das Preissegment beginnt dabei bei etwa 80€ und endet irgendwo zwischen 400-900€, je nachdem wie genau man diese Klasse definiert. Für die Auswahl in diesem Test entscheidend waren die folgenden Kriterien:

  1. Wasserdichtigkeit (> 1m Wassertiefe)
  2. Stoßfestigkeit – die Kamera sollte Stürze aus der Jackentasche überleben können.
  3. Frostsicherheit
  4. GPS und möglichst WLAN
  5. Kompakte Ausmaße – für die Jackentasche
  6. Preis: 200-400€

Ricoh WG-5 GPS

Die Ricoh hat in Testberichten sehr gut aufgrund ihres sehr durchdachten Gehäuses viel Lob bekommen. Die Spezifikationen sind zusammengefasst:

  • 16 Megapixel – 1/2.3″ BSI-CMOS Sensor
  • 25–100 mm (f2.0 – f4.9) Zoom (kleinbildäquivalent)
  • 125-6.400 ISO
  • 9 Punkt TTL-Kontrasterkennungs-Autofokussystem (Mehrfeld, Spot, Landschaftseinstellung, Unnendlich, Panfocus, manuelle Fokussierung, Schärfenachführung für bewegte Motive
  • 3″ LCD mit 460.000 Pixeln
  • Akkulaufzeit ca. 240 Aufnahmen

Olympus TG-3

  • 16 Megapixel – 1/2.3″ BSI-CMOS Sensor
  • 25–100 mm (f2.0 – f4.9) Zoom (kleinbildäquivalent)
  • 100-6400 ISO
  • Autofokus: Kontrastmessung über die gesamte Chipfläche
  • 3,0″ LCD mit 460.000 Pixeln
  • Akkulaufzeit max 830 Aufnahmen

Panasonic DMC-FT5

  • 16,1 Megapixel – 1/2,33″ High Sensitivity MOS
  • 28-128mm (f3,3 – f5,9) Zoom (kleinbildäquivalent)
  • 100-3200 ISO
  • Autofokus: Gesichtserkennung / AF-Tracking / 23-Feld / 1-Feld / Spot
  • 3,0″ LCD mit 460.000 Pixeln
  • Akkulaufzeit max 570 Fotos

Verarbeitung

Bei allen drei Kandidaten sieht man sofort für welchen Einsatzzweck sie gemacht sind: Schlechtes Wetter, Kälte, Wasser – echte Globetrotter- und Outdoorbegleiter. Keine der Kameras besitzt ein ausfahrbares Objektiv, keine ist ein Plastik-Leichtgewicht. Hier findet man hauptsächlich robuste Materialien mit auffälligen „Zierschrauben“. Dem zum Opfer fielen auch aus meiner Sicht sinnvolle Zubehörteile wie z.B. Streulichtblenden.

Bildqualität

Die oben vorgestellten Kameras haben mich jeweils ein paar Tage beglitten und mussten sich dem direkten Vergleich zur Canon Powershot G9 stellen. In diesem Abschnitt gehe ich auf die prinzipiellen Stärken und Problem der Kameras ein, weitere Fotos und Kritikpunkte finden sich dann in den Detailbesprechungen der Kameras weiter unten.

Die extrem kleinen Sensorflächen der Vertreter der Ruggedized-Kameras lassen bezüglich des Rauschverhaltens ja schon böse Ahnungen aufkommen. Die folgenden Bilder sind mehr oder weniger für alle drei getesteten Kandidaten typisch:

Ricoh WG-5 GPS 1/1250s, f2.8, ISO 125 - Randunschärfe und Farbflächen
Randunschärfe und Farbflächen mit der Ricoh WG-5 GPS

Bei der ersten Sichtung der Bilder bestätigte sich meine Befürchtung. Dem starken Sensorrauschen der ultrakleinen Sensoren begegnen die Hersteller mit einer starken Weichzeichnung und JPEG-Kompression, die so ziemlich alle Details bis zur Unkenntlichkeit glätten und durch Farbflächen und Block-Artefakte ersetzen.

Bei der Powershot G9 sieht man keine Randunschärfe und keine Farbflächen
Bei der Powershot G9 sieht man keine Randunschärfe und keine Farbflächen

Speziell bei der Ricoh WG5 GPS ist mir aufgefallen, dass die Kamera je nach Modus und Belichtung nicht die minimale Empfindlichkeitsstufe von 125 ISO verwendet. Schon bei 250 ISO entsteht ein sehr unschönes Rauschen, welches durch die aggressive JPEG-Kompression zu hässlichen Artefakten führt – zusätzlich sinkt der Dynamikumfang sichtbar:

Ricoh WG5 - störende JPEG-Artefakte durch starkes ISO-Rauschen und aggressive Kompression bei ISO 250
Ricoh WG5 – störende JPEG-Artefakte durch starkes ISO-Rauschen und aggressive Kompression bei ISO 250

Im direkten Vergleich sieht man keines der genannten Probleme bei der alten Powershot G9. Hier ist zwar auch ein leichtes Rauschen auszumachen, dieses wird jedoch sauber komprimiert und der Dynamikumfang des Sensors ist groß genug um noch eine Zeichnung in den hellen Blütenblättern erahnen zu lassen:

Geringes Rauschen bei der Powershot G9, welches sauber komprimiert wurde
Geringes Rauschen bei der Canon Powershot G9, welches sauber komprimiert wurde

Die Panasonic DMC-FT5 sticht negativ durch eine sehr starke Kompression des Bildes heraus, welches an eigentlich geraden Kanten zu Beulen führt und feine Details unwiederbringlich zerstört:

aggressive Kompression und Randunschärfe bei der DMC-FT5 entstellt Details
aggressive Kompression und Randunschärfe bei der DMC-FT5 entstellt Details

Hierzu kommt, dass die auch hier vorhandene Randunschärfe durch die JPEG-Kompression noch weiter verfremdet wird. Gesichter werden zu Fratzen verzerrt, das Pflaster im hinteren Bereich ist trotz hoher Schärfentiefe nicht mehr erkennbar und der Busch verkommt zu einem Pixelbrei.

Die Olympus TG3 geht hier einen anderen Weg – zunächst wird das Bild stark geglättet um es anschließend nachzuschärfen. Es entsteht ein recht harter Look mit sehr „eckigen“ Details. Die visuelle Auflösung bleibt weit hinter dem zurück, was die Spezifikationen vermuten lassen. Jedoch sehen die Bilder wenigstens weder verrauscht noch entstellt aus. Hier ein Beispielbild von der Olympus. Der Autofokus traf nicht genau die vordere Blüte und die filigranen Härchen der Blute sehen durch die Überschärfung eher wie nass gewordene Zuckerwatte auf:

Olympus TG3 - aggressive Rauschunterdrückung mit anschließendem Nachschärfen
Olympus TG3 – aggressive Rauschunterdrückung mit anschließendem Nachschärfen

Ein großes Problem der Olmypus TG3 offenbarte sich bei diesem Test. Der Autofokus war nicht in der Lage einen einigermaßen konsistenten Fokuspunkt bei relativ nahen Objekten zu finden. Im Vergleichsbild der Powershot G9 sieht man einen perfekt sitzenden Fokus und sehr weiche, runde Haare an der Pfirsichblüte:

gute Detailwiedergabe bei der Powershot G9
gute Detailwiedergabe bei der Canon Powershot G9

Detailbesprechung der einzelnen Modelle

Bei der Arbeit mit den Testkandidaten fällt eines sofort auf – sie sind offenbar alle für Einsteiger in die Fotografie konzipiert. Fortgeschrittene Funktionen werden, wenn überhaupt vorhanden, tief in den Menüs versteckt. Die direkt vor den Objektiven angebrachten Schutzscheiben machen die getesteten Kandidaten sehr anfällig für Streulicht.

Ricoh WG-5 GPS

Die Ricoh WG-5 GPS liegt durch ihre raue Oberfläche sehr gut in der Hand und die maximale Blendenöffnung von f/2 spricht für die Ricoh. Im Telebereich fällt die Blende jedoch auf f/4.9 ab. Wer Mikroskopaufnahmen mit der Kamera machen möchte, freut sich sicherlich über die LED-Ringbeleuchtung rund um das Objektiv, leider macht sich dabei eine starke Randunschärfe bemerkbar:

Ein Papadam unter dem Ricoh_WG5 GPS Mikroskop
Ein Papadam unter dem Ricoh_WG-5 GPS Mikroskop

Wie schon oben gezeigt, ist das Hauptproblem der WG-5 GPS das starke Bildrauschen bei höheren Sensorempfindlichkeiten. Bei ISO 250 fällt das Rauschen durch starke Artefaktbildung des JPEG-Kompressort unangenehm auf, ab etwa 400 ISO sind die Bilder nur noch eingeschränkt verwendbar. Bei starkem Sonnenlicht macht sich im Objektiv-Schutzglas gefangenes Streiflich unangenehm bemerkbar, was zu flauen Bildern führt. Der mitgelieferte Makro-Abstandsring, der auch als primitive Streulichtblende fungieren kann, hilft dabei nur wenig:

Ricoh WG5 - wenig Kontrast und flaue Farben durch Streiflicht
Ricoh WG5 – wenig Kontrast und flaue Farben durch Streiflicht

Leider wird bei der WG-5 kein externes Ladegerät mitgeliefert, damit kann die Kamera beim Laden des Akkus nicht verwendet werden – aber wenigstens hält der Akku relativ lange durch. Ein entscheidender Nachteil gegenüber den Mitbewerbern ist das fehlende WLAN – damit ist man zum Herunterladen der Bilder von der Kamera gezwungen, die Abdeckklappe zu öffnen. Apropos Abdeckklappe: Dem Objektiv hätte eine (automatische) Objektivabdeckung gut zu Gesichte gestanden, da die Abdeckscheibe sehr anfällig für Fingerabdrücke ist und sich diese sehr negativ auf die Streulichtanfälligkeit auswirken.

Bilder der WG-5 neigen dazu in den Spitzlichtern zu überstrahlen, was man auch auf dem Bild des Schrottautos sieht und bei sehr heller Beleuchtung bilden sich gerne farbige Lichtkränze um Spitzlich-Kanten.

Mein Fazit zur Ricoh WG-5 GPS: Die geringe Detailwiedergabe,das stets sichtbare Rauschen, die sehr langsame Serienbild-Rate von ca. 1.5 Bildern/s (bei voller Auflösung) und der gering auflösende Monitor disqualifizieren die Ricoh WG-5 GPS für meinen Einsatz. Der Mikroskop-Modus ist ein nettes Gimmick, aber kein Kaufgrund.

Olympus TG3

Für eine Kamera, die bei schlechtem Wetter zum Einsatz kommt und eventuell auch mit Handschuhen bedient wird, sind die wenigen Tasten am Gehäuse sehr klein geraten. Unter Wasser schränkt dies die Benutzbarkeit aus meiner Sicht auf den Automatikmodus ein. Dies versucht Olympus mit „Touch-Control“ einer Art Klopfbedienung zu kompensieren. Im Test hat dies jedoch nicht gut funktioniert. Gefallen hat mir aber das Quick-Menü, in dem die wichtigsten Parameter wie die Sensorempfindlichkeit oder die Belichtungskorrektur schnell erreichbar sind.

Der Autofokus funktionierte im Test stets schnell, aber leider auch relativ unpräzise. Die Kamera bietet die Modi Automatik, Spot und AF-Tracking. Die Automatik funktioniert gut bei Gesichtern und Objekten, die relativ weit entfernt sind, jedoch nicht gut im Nahfeld. Die AF-Tracking-Funktion war für sich relativ nahe vor der Kamera bewegende Objekte wie die Pfirsichblüte viel zu langsam und hatte damit zu kämpfen, den richtigen Fokus-Punkt überhaupt zu finden.

Gut gefallen hat mir der Mikroskop-Modus, der zusammen mit der Fokus-Stacking-Funktion gute – aber nicht sehr gute – Makrobilder erzeugt.

Bienenstich im Mikroskop-Modus der Olympus TG-3
Bienenstich im Mikroskop-Modus der Olympus TG-3

Für die Olympus spricht ebenso der eingebaute ND-Filter, der die Kamera auch bei sehr starker Belichtung noch einsatzfähig hält. Für malerische Wasserfälle mit viel Bewegungsunschärfe reicht jedoch die Bildstabilisierung nicht aus. Hier muss zwingend auf ein Stativ zurückgegriffen werden.

Das Display der TG-3 ist nur mäßig hochauflösend und spiegelt stark, was die Beurteilung der Bilder in hellem Sonnenlicht stark behindert. Dabei hilft auch nicht die gute Helligkeit des Monitors. Bei ISO 100 lösen die Bilder noch relativ viele Details auf, die subjektive Bildqualität ist hier noch gut bis akzeptabel – solange man mit der Sonne fotografiert und nicht zu stark in die Bilder herein zoomt oder gar Ausschnittsvergrößerungen macht. Bereits ab ISO 200 geht die Detailwiedergabe durch das Sensorrauschen und die starke Glättung stark zurück. Je nach Verwendungszweck sind die Bilder ab 400-800 ISO nicht mehr zu gebrauchen noch höhere ISO Werte (maximal 6400) reichen nur noch für dokumentarische Zwecke.

Auffällig bei der Kamera ist, dass die Anzahl und Ausprägung der JPEG-Artefakte offensichtlich vom Detailgrad des aufgenommenen Motivs abhängt. Sehr detaillierte Szenen führen nicht nur wie erwartet zu größeren Dateien, sondern auch zu sehr viel mehr störenden Artefakten. Das ist sehr unglücklich, da die Olympus bei Bildern mit sehr wenig Details durchaus ansprechende Resultate erzeugen kann. Die folgenden beiden Bilder wurden unter identischen Bedingungen bei ISO 100, 18mm Brennweite und Blende f/6.3 geschossen:

Olympus TG-3 - wenig Artefakte bei Bildern mit wenig Details
Olympus TG-3 – wenig Artefakte bei Bildern mit wenig Details
Olympus TG3 - starke Artefaktbildung bei Bildern mit viel Details
Olympus TG3 – starke Artefaktbildung bei Bildern mit viel Details

Die Optik besitzt eine relativ große Blendenöffnung von f/2 im Weitwinkelbereich, die jedoch im Telebereich auf eher schwache f4,9 abfällt. Die Abbildungsleistung ist gemessen an der G9 oder auch anderen aktuellen Kompaktkameras sehr schwach. Die Bildmitte ist zwar einigermaßen scharf, die Bildränder zeigen aber leider vor allem im Weitwinkelbereich eine deutliche Unschärfe. Damit müssen wichtige Bildelemente zwangsläufig in der Bildmitte platziert werden, Objekte im goldenen Schnitt oder in den Punkten der Drittelregen scheinen durch die Randunschärfe immer leicht out-of-focus zu sein. Verzeichnung und Randabschattung halten sich in Grenzen.

Schade fand ich auch, dass der Akku der Kamera ausschließlich in der Kamera geladen werden kann. Damit kann die Kamera nicht während der Ladezeit verwendet werden.

Mein Fazit zur Olympus TG-3: Die TG-3 wäre aufgrund ihres umfangreichen Zubehörpeogrammes (Ringblitzaufsatz, Unterwassergehäuse, Vorsatzlinsen) und ihrer guten Verarbeitung mein Favorit unter den getesteten Modellen gewesen. Die starke Artefaktbildung, der unzuverlässige Autofokus, die starke Anfälligkeit für Streiflicht und das auf Foto-Anfänger ausgelegte Bedienkonzept disqualifizieren die Kamera für meinen geplanten Einsatzbereich. Die Ausrichtung auf Fotografie-Einsteiger an sich ist keine schlechte Marketing-Strategie von Olympus, jedoch finde ich dafür die Ausschussquote bei Schnappschüssen im Vollautomatik-Modus viel zu hoch.

Panasonic DMC-FT5

Die Panasonic besticht durch einen günstigen Preis und eine gute Entspiegelung des Bildschirms. In der Verpackung liegt ebenfalls ein Ladegerät für den Akku, damit müssen z.B. Tauchtouren nicht durch das Laden eines Akkus unterbrochen werden. Denn der Akku ist eine der Schwachstellen der Kamera. Mit sind mit einer Akkuladung nur etwa halb so viele Fotos wie mit der Olympus TG-3 gelungen.

Negativ aufgefallen ist mit auch die Neigung des Objektiv-Schutzglases zu Wasserflecken. Hier muss nach dem Regen oder nach dem Schnorcheln unbedingt nachgeputzt werden, wenn man z.B. den Einstieg ins Boot fotografieren möchte. Eine Lotuseffekt-Beschichtung hätte dieses Problem sicherlich lösen können. Das Zweite Problem ist die Neigung des Monitors zum Beschlagen.

Die Auslöseverzögerung lag bei mir im Test bei etwa 0.3s im Weitwinkelbereich, im Telebereich verhielt sich der Autofokus sehr langsam und unpräzise:

Panasonic FT5 - Fokusprobleme im Automatikmodus
Panasonic FT5 – Fokusprobleme im Automatikmodus

Die Panasonic bietet leider keinen Makro-Modus, dafür als Gimmick einen Mikroskop-Modus, der aber durch starkes Rauschen enttäuscht:

Panasonic DMC-FT5 - Leder unter dem Mikroskop
Panasonic DMC-FT5 – Leder unter dem Mikroskop

Ebenso schmerzlich vermisst habe ich die Spot-Belichtungsmessung. Die Automatik leistet zwar gute Dienste, jedoch liegt sie in schwierigen Szenen mit viel Licht und Schatten öfter mal kräftig daneben.

Während des Tests habe ich mich öfters über die umständliche Bedienung und die kleinen Tasten geärgert. Mit Handschuhen gestaltet sich die Bedienung sehr schwierig.

Positiv überrascht hat mich die sehr hohe Serienbild-Rate mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Weniger angetan war ich dann allerdings von der Bildqualität – es handelt sich bei den Bildern offensichtlich um Auszüge der Video-Funktion.

Die Kamera verfügt über eine gute WIFI/App-Anbindung, mit der man sich das Öffnen der Kamera und das damit verbundene Säubern und Einfetten der Dichtungen sparen könnte – wäre da nicht der hohe Stromverbrauch der WIFI-Funktion, die dann doch einen Akkuwechsel nötig macht. Schade, ein Hochkapazitäts-Akku hätte der Kamera gut zu Gesichte gestanden.

Mein Fazit zur Panasonic DMC-FT5: In vielen Tests wird der FT5 die klassenbeste Bildqualität bescheinigt. Dies stimmt in meinem Test nur unter optimalen Bedingungen. Das lichtschwache Objektiv, die größte Blendenöffnung beträgt nur f/3.3, führt gepaart mit dem sehr kleinen Sensor zu stark rauschenden Bildern. Das optional erhältliche (zusätzliche) Unterwassergehäuse wäre bei einer lichtstarken Optik ein Kaufargument – so ist es für mich jedoch sinnlos.

Zusammen mit der Autofokus-Schwäche im Telebereich und der umständlichen Bedienung scheidet auch diese Kamera als mein ständiger Begleiter aus.

Abschließendes Fazit und Blick über den Tellerrand

Mein Testfazit lautet für die getesteten Kandidaten: Teurer Schrott. Das ist ein hartes Urteil, dessen bin ich mir bewusst. Jeder sollte selbst entscheiden welche Aspekte einer Kamera für ihn wichtig sind. Für halbwegs ambitionierte Fotografen ist diese Klasse der Kameras aus meiner Sicht nicht einsetzbar. Man sollte nur auf sie zurückgreifen, wenn es unbedingt ein solch harter Begleiter sein muss und sowohl Budget als auch fotografischer Anspruch mit der gebotenen Leistung übereinstimmen. Auf dem Bau oder wirklich nur für dokumentarische Zwecke, machen die Kandidaten bis auf die Panasonic mit ihren kleinen Tasten eine sehr gute Figur. Man sollte sich aber auch darüber im Klaren sein, dass damit keine guten Fotos für z.B. 500px gelingen.

Enttäuscht von den Kandidaten des Testfeldes habe ich mehrere Alternativen erwogen. Früher habe ich am Strand und im Regen einfach mein Unterwassergehäuse zur Canon IXUS 750 mitgenommen, was jedoch sehr klobig war. Mit der Powershot G9 tue ich dies nicht mehr, da das Gesamtpaket einfach keine Kompaktkamera mehr ist und so in keine Tasche passt.

Eine andere Variante war, den für Vorsatzlinsen gedachten Tubus in ein zumindest staubdichtes Gehäuse umzuwandeln. Damit wird die Kamera zwar größer und lässt sich nicht mehr so gut in der Jackentasche verstauen, aber zumindest ist die G9 damit am Strand gegen Sand und Staub geschützt:

Powershot G9 - Staubschutz mit Linsenvorsatztubus
Powershot G9 – Staubschutz mit Linsenvorsatztubus

Leider hilft dies nun in staubigen Umgebungen. Das Gewinde zwischen UV-Filter und Tubus sowie der Kamera-Anschluss sind damit nicht gegen Regen oder Feuchtigkeit geschützt. Damit ist die Kamera bei starkem Regen oder im Wasser keine Hilfe.

Nach diesen Versuchen habe ich mich im Preissegment über den hier getesteten Kompaktkameras umgesehen und bin dort auf die Nikon 1AW1 gestoßen. Die Kamera ist eine spiegellose Systemkamera, die – entsprechende Objektive vorausgesetzt – wasserdicht, stoßsicher und frostsicher ist. Mit ihrem zum Testzeitpunkt bei ca. 650€ liegenden Verkaufspreis inkl. 11-27.5mm Objektiv liegt sie klar über denen der übrigen Testkanditaten. Kann denn wenigstens diese Kamera von halbwegs ambitionierten Fotografen eingesetzt werden? Mein Testfazit kurz gefasst: Ja, mit Einschränkungen.

Die Nikon 1AW1 vefügt über die folgenden Spezifikationen:

  • Auflösung: 14.2 Megapixel – 13.2 mm x 8.8 mm CMOS-Sensor
  • Wasserdichtes Kit-Objektiv Nikkor AW 11-27,5mm (entspricht 30–74 mm bei Kleinbild) mit Blende f/3,5 – f/5,6
  • 100-6400 ISO
  • JPEG & (12 Bit-)RAW Bildformat
  • Hybrider-Autofokus: Einzelautofokus (AF-S), kontinuierlicher Autofokus (AF-C), AF-Automatik (AF-A), permanenter AF (AF-F) Manuelle Fokussierung (MF)
  • 3,0″ LCD mit 921.000 Bildpunkten und Helligkeitsregelung
  • Belichtungszeit: 1/16,000-30s
  • Akkulaufzeit im Test ca. 400 Fotos

Bei guten Lichtverhältnissen gelingen mit der 1AW1 sehr rauscharme, scharfe Bilder, die nur für Nikon typisch relativ kalte Farben enthalten. Die Details sind fein gezeichnet und über den gesamten Bildbereich scharf.

Nikon 1AW1 - feine Details und relativ wenig Bildrauschen
Nikon 1AW1 – feine Details und relativ wenig Bildrauschen

Ab einer Empfindlichkeit von ca ISO 800 wird das Bildrauschen auch ohne Vergrößerung deutlich sichtbar. Die Detailtreue sinkt mit jeder ISO-Stufe, Bilder ab ISO 3200 sind nur noch engeschränkt verwendbar. Der Dynamikumfang von etwa 9 Blendenstufen geht für eine Kompaktkamera in Ordnung und lässt die anderen Teilnehmer des Tests weit hinter sich.

Die Bedienung der Kamera empfand ich als etwas umständlich. Einstellungen wie ISO, Blenden- oder Zeitautomatik muss man im Menü suchen. Nach einer Weile findet man sich damit aber ab, ich bin ja von der Panasonic DMC-FT5 schon so einiges an umständlicher Bedienung gewöhnt. Die getrennten Auslöser für Fotos und Videos finde ich dagegen sehr gelungen. In der ersten Zeit ist es mir zwar wiederholt passiert, dass ich den falschen Taster gedrückt habe, aber mit ein wenig Übung wird man da sicherer. Gerade wenn man mit Kindern unterwegs ist und darauf angewiesen ist, schnell zwischen Foto und Video entscheiden zu können, sind zwei separate Taster Gold wert.

Begeistert hat mich, wie wenig die Schutzglasabdechung des Objektives für Wasserflecken oder Fett anfällig ist. Mit der 1AW1 gelingen halb ins Wasser getauchte Bilder ohne die üblichen Wassertropfen:

Nikon 1AW1 - halb unter Wasser ohne Wassertropfen
Nikon 1AW1 – halb unter Wasser ohne Wassertropfen

Unverständlich ist mir jedoch warum Nikon gerade das wasserdichte Objektiv nicht mit einem Bildstabilisator ausgerüstet hat. Bei regnerischem Wetter oder auch unter Wasser sind die Lichtverhältnisse üblicherweise nicht optimal und in das gekapselte Gehäuse des Objektivs passt einfach keine Linsen- und Blendenkombination mit f/2.8 oder darunter. Das ist sehr schade.

Die Nikon hat nun einen Platz in unserem Haushalt gefunden. Bei schlechtem Wetter oder am Strand lichtet sie von nun an unsere schönsten Momente ab. Für die fotografisch anspruchsvolleren Motive oder als Backup für Innenaufnahmen nutze ich die 1AW1 nun zusätzlich mit dem 1 NIKKOR VR 10–30 mm 1:3,5–5,6 PD ZOOM, welches nicht nur wesentlich kompakter als das 11-27mm Objektiv ist, sondern zusätzlich noch einen Bildstabilisator mitbringt.

Für Schönwetter-Tage hat sich zusätzlich nun mein Mobiltelefon einen festen Platz in meiner Tasche erarbeitet. Das LG G4 (h815) schießt mit seinen 16 Megapixeln, Blende f/1.8, Laser-Autofokus und Farbspektrum-Sensor mittlerweile so gute Fotos, dass damit das gesamte Feld von Outdoor Kameras bis auf die Nikon deklassiert wird. Leider besitzt das G4 kein Zoom-Objektiv, aber selbst mit der Festbrennweite kann man sich arrangieren, wenn die Bilder verwertbar sind – und das sind sie in vollem Umfang. Ich werde in den nächsten Wochen noch ein ausführliches Review zur Kamera des LG G4 schreiben.

2 Antworten auf „Outdoor Kameras – empfehlenswert oder teurer Schrott?“

  1. Danke! Der Artikel hat mich vor der Ricoh bewahrt. Die Nikon ist mir allerdings zu teuer. Ich werde mir mal die GoPros ansehen, die lassen sich zwar auch nur umständlich bedienen, sollen aber wesentlich bessere Bilder machen. Die haben Sie nicht zufällig auch getestet?

    VG, Susanne

    1. Hallo Susanne,

      die GoPros machen auch ziemlich gute Bilder, soweit ich Testaufnahmen gesehen habe, besser sogar als die getesteten Kameras. Jedoch würden mich die feste Weitwinkelbrennweite und die nicht beeinflussbare Blende stören. Zielgruppe des Tests sind Personen, die ihre Spiegelreflexkamera unterwegs ersetzen wollen und zumindest für soziale Medien verwendbare Fotos produzieren wollen. Ohne Zoom hieße das sehr oft Ausschnittsvergrößerungen machen zu müssen und dafür haben die GoPros zu wenig Auflösung. Ich plane aktuell keinen Test von reinen Action-Cams.

      Viele Grüße,
      Robert

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