Projekt Frauen-Selbstverteidigung

Ich habe gerade das sehr spannendes Projekt „Frauen-Selbstverteidigung“ für unsere Jiu-Jitsu-Abteilung des TSV-Wittenau in Berlin abgeschlossen. Es ging darum, für eine Facebook-Anzeige möglichst realitätsnahe Bilder von Selbstverteidigungssituationen zu machen. Wichtigste Anforderung war dabei, dass die Bilder die Zielgruppe, also Frauen in der Altersgruppe 16+ (also nach oben offen) ansprechen sollen, ohne sie zu verschrecken.

Damit unterscheiden sich die Bilder grundlegend von einer klassischen Image-Kampangne, die nur z.B. den Verein bekannter oder beliebter machen soll. Es geht darum, dass die angesprochenen Frauen in realen oder zumindest von ihnen befürchteten Situationen gedanklich wiederfinden und ihnen in Bildsprache Lösungsansätze präsentiert werden. Nur so kann man sich mit dem Gezeigten in der Art identifizieren, dass man sich auch entgegen der natürlichen Scheu bei einem solchen Kurs anmeldet.

Wie sich gezeigt hat, war der Ansatz schwierig, aber ungemein erfolgreich. Ich möchte im Folgenden ein wenig auf die Nachrichten der Bilder und das Zusammenspiel mit dem Begleittext eingehen. Der Text lautete wie folgt:

Frauen-Selbstverteidigung „Von Frauen für Frauen“ im TSV!

An sechs Samstagen, vom 13.01.2018 bis 17.02.2018 von 17.30 bis 20.00 Uhr, in unserer Sporthalle im Senftenberger Ring 40A, können Frauen und Mädchen ab 16 Jahren ihre eigene Stärke entdecken.

Vorkenntnisse oder körperliche Fitness sind nicht erforderlich.

Unsere Frauen-Selbstverteidigung wird seit 20 Jahren von einer qualifizierten Trainerin geleitet und ist speziell auf die mentalen wie physischen Anforderungen in der Frauen-Selbstverteidigung ausgelegt.
Darum erlernen in diesem Kurs Frauen von Frauen, wie man sich sehr effektiv wehren kann. Wer möchte, kann das Erlernte auch an den letzten beiden Terminen in der Praxis testen – an männlichen Übungspartnern aus unserem Verein.

Willst auch du spüren, wie stark du wirklich bist? Dann komm vorbei!

Wir freuen uns auf dich!

Das sind starke Worte, nur wie verbindet man sie visuell mit dem Gefühl sowas zu brauchen bzw. die eigenen Vorbehalte beiseite zu legen und sich anzumelden? Ich habe mir dazu vier Situationen bzw. geistige Bilder genommen, die ich dann bildlich umgesetzt habe.

Wehr Dich! Aber richtig!
Sicher durch die Nacht.
Vor Frauen. Für Frauen.
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Opfer? Nicht mit mir! - In diesem Bild spiele ich mit den typischen Klischees. Ein Durchgang, nur eine Fluchtmöglichkeit, die durch den angreifenden Mann blockiert wird... und Graffiti. Die Linienführung der Laternen symbolisiert den einzigen Weg aus dem Bild, der mittig angeordnete Mann blockiert optisch die Flucht - eine typische Opfersituation. Die deutliche Vignette und die düstere Stimmung des Bildes unterstützen die Bildsprache. Versetzt man sich in das Bild, fragt man sich - was nun? Der seitliche Tritt zusammen mit dem Festhalten des eigenen Besitzes brechen die Klischee-Aussage des Bildes. Die erhobene Faust und auch die gesamte Körperneigung strahlen Selbstbewusstsein, Stärke und vor allem Handlungsfähigkeit aus.
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Die verwendete Schrift in diesem Tatort-Rot ist, wenn man es aus ästhetischer Sicht sieht eigentlich eine Katastrophe. Aber es handelt sich hier nicht um Beauty-Portraits, sondern Zweckfotografie. Und diese spricht in Reizen und Anregungen, soll bestimmte nicht nur positive Emotionen wecken und Anreize schaffen, sich anzumelden. Schaut man sich die Anmeldezahlen zu dem Kurs an, ist dies gelungen. Es wurde eine Bedrohungskulisse aufgebaut und es wurde ein eindeutiger Ausweg präsentiert.

Ich hoffe, der kleine Artikel hat ein wenig Einblick in die Zweck-Fotografie gebracht. Für Kritik und Anregungen bin ich immer offen. Ich würde mich auch sehr über Vorschläge für ein nachfolgendes Projekt freuen.

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