Tipps und Tricks zur Canon EOS 5D Mark IV

Meine jahrelang verwendete und geliebte Kamera war die Canon EOS 6D. Leicht, sehr leistungfähig und immer zuverlässig. Sie wurde kürzlich von der Canon EOS 5D Mark IV abgelöst. Diese Kamera bringt viele spannende und nützliche Funktionen mit sich, die das Fotografieren erleichtern oder den Workflow erheblich beschleunigen können. Abseits von den üblichen und überschätzten Buzzwords sind es gerade die kleinen evolutionären Verbesserungen, die mir das Leben erleichtern. Im folgenden Beitrag stelle ich einige der neuen Möglichkeiten der Kamera vor und verrate wie sie mir das Leben erleichtern.

1. Fotofunktion der Canon EOS 5D Mark IV

1.1. Auto-ISO

1.1.1 Die Probleme bei der Auto-ISO-Einstellung der EOS 6D

Bereits frühere Modelle der semiprofessionellen Klasse hatten die Möglichkeit die ISO-Empfindlichkeit von der Kamera wählen zu lassen. Bei der Canon EOS 6D sind die minimale und maximale Empfindlichkeit einstellbar. Zusätzlich kann der Fotograf eine maximale Verschlusszeit einstellen. Diese gibt vor, ab welcher Belichtungszeit der ISO-Wert angehoben werden soll, um zuverlässig Verwacklungen zu vermeiden.

Das war für mich besonders bei Kinderportraits sehr nützlich. Mit einer Verschlusszeit länger als 1/125s, sind von spielenden Kindern einfach keine scharfen Fotos mehr zu machen. Ich hatte hier immer 1/125s voreingestellt. Jedoch ein Detail hat mich immer gestört: Wenn man gerade kein sich bewegendes Motiv fotografiert, ist es schade die maximale Verschlusszeit vorzugeben. Ein ständiger Wechsel war mir auch immer zu mühsam.

Auch die Wahl der Verschlusszeit war nicht immer optimal. Im Programm-Modus (P) oder im Blendenprioritätsmodus (AV) wählt die Kamera eine ISO-Empfindlichkeit, die je nach Brennweite und Beleuchtungssituation ein verwacklungsfreies Bild ermöglicht. Im wesentlichen entsprach die Wahl der zu erreichenden Verschlusszeit der „üblichen“ Fotografen-Faustformel 1/Brennweite. Bei Fotografen mit besonders ruhiger oder zittriger Hand, bei besonders gute Bildstabilisatoren oder viel Wind, liegt die Automatik dabei jedoch oft daneben und die Verschlusszeit muss bei jedem Bild angepasst werden. Auch das hemmt den Workflow.

1.1.2. …und die elegante Lösung der EOS 5D Mark IV (für mich)

Die Canon EOS 5D Mark IV bietet nun neben der Vorgabe der maximalen Verschlusszeit, die Möglichkeit die automatisch bestimmte Verschlusszeit zu parametrisieren. Hier kann man nun in sieben Stufen die Vorliebe für längere oder kürzere Verschlusszeiten angeben. Dies hilft besonders nervösen Fotografen mit zitternden Händen.

Auto-ISO-Modus/Verschlusszeit-Priorität der Canon EOS 5D Mark IV
Einstellung Verschlusszeit-Priorität im Auto-ISO-Modus

Die Wahl einer vergleichsweise kürzeren Verschlusszeit hilft mir auch bei den spielenden Kindern in abendlicher Beleuchtung: Ich stelle nun einfach +2 ein und lande automatisch meist bei 1/100s – 1/125s, was meinem emfinden für scharfe Fotos sehr entgegenkommt.

1.1.3. Auto-ISO im M-Modus

Wechselt man vom AV, TV oder P-Modus in den M-Modus, wird die eventuell zuvor eingestellte Belichtungskorrektur mit in die Blenden- und Verschlussparameter eingerechnet. Damit sieht das Bild erstmal im M-Modus analog dem Aufnahmemodus zuvor aus. Möchte man die verhindern, sollte zuvor die Belichtungskorrektur zurückgesetzt werden.

1.2. Autofokus

1.2.1. Verbesserte Objekt-Verfolgung

Bisherige Kameras haben mehr oder minder erfolgreich versucht, den Fokus auf einem sich bewegenden Objekt über die verschiedensten Fokus-Felder hinweg zu verfolgen. Dabei wurde bisher immer nur die absolute Schärfe an einem gewählten Punkt für die Bestimmung herangezogen, die Richtung der Bewegung wurde dabei im Live-View nur abgeschätzt. Der neue Dual-Pixel-Autofokus kann nicht nur Richtung und Geschwindigkeit eines Objektes besser abschätzen, sondern jetzt auch Farb- und Infrarotinformationen zum Verfolgen von Objekten verwenden. Die ist ungemein praktisch, wenn man Objekte mit starken Farbkontrasten verfolgt, da diese nun wesentlich sicherer erfasst werden können.

Für die AI-Servo-Betriebsart kann man nun auch das Autofokus-Feld bestimmen, mit dem die Objekt-Verfolgung starten soll (AF-Ausgangsfeld). Wenn man im AI-Servo-Modus die Autofokus-Zone wechselt, wird sofort das zuvor registrierte Autofokus-Feld voreingestellt.

1.2.2. Grenzen der Gesichtserkennung iTR AF

Die Gesichtserkennung iTR AF (intelligent Tracking Recognition AF) stellt generell auf das Gesicht als ganzes scharf und nutzt dabei die AF-Felder sowie die 150000 Farb- und Infrarotpixel des AF-Systems. Leider isoliert die Automatik dabei nicht die Augen und stellt diese nur so ungefähr in den Fokus. Dies funktioniert gut, wenn man weit genug abgeblendet hat und ausreichend viel Schärfentiefe im Bild hat. Bei einer sehr offenen Blende funktioniert die Methode auf einen beliebigen Punkt des Gesichtes scharf zu stellen nicht mehr ausreichend und man läuft gefahr, die Augen zu weit in den unscharfen Bereich abgleiten zu lassen.

Die Gesichtserkennung des Livebild-Modus kann dagegen die Augen als solche erkennen und liefert bei lichtstarken Objektiven wesentlich bessere Ergebnisse

1.2.3. AF-Messfeld-Ausrichtung

Wer wie ich viel zwischen dem Hoch- und Querformat wechselt, wird die neue Einstellungsmöglichkeit im Autofokus-Menü sehr zu schätzen lernen. Man kann nun zwischen drei verschiedenen Modi wählen und so entweder den aktuellen Autofokus-Punkt beibehalten oder separater Autofokus-Punkte für das Querformat sowie für die beiden Hochformat-Ausrichtungen festlegen.

1.3. Dual-Pixel-RAW

1.3.1. „Gerinfügige Bildanpassung“

Dual-Pixel-RAW bietet die Möglichkeit nach dem Aufnehmen des Bildes verschiedene Anpassungen am Bildmotiv vorzunehmen. Der erzielbare Effekt wurde von Canon leider über-beworben und von vielen enttäuschten Rezensenten verrissen. Meiner Meinung nach können die drei möglichen Anpassungen in bestimmten Situationen dennoch Vorteile bringen, wenn man nur den Empfehlungen von Canon für die Kamera-Einstellungen folgt:

Mindestens 50mm Brennweite bei maximal 1600 ISO und einem Blendenwert, der die f5.6 nicht überschreitet. Bei Gelegenheit werde ich zu dem Feature der „geringfügigen Bildanpassung“ noch ein gesondertes Review veröffentlichen.

1.3.2. Dual-Pixel-RAW – Hack

Im Vergleich zu den Vorgängergenerationen der Sensoren besitzt die Canon EOS 5D Mark IV mittlerweile einen beachtlichen und durchaus konkurrenzfähigen Dynamikumfang von ca. 13.6EV. Dieser lässt sich über einen Trick noch einmal um etwa eine Blendenstufe erhöhen. Möglich ist dies, weil die hintere Ebene des Sensors prinzipbedingt weniger Licht abbekommt und so eine der beiden Dual-Pixel-RAW-Ebenen etwa 1EV geringer belichtet wird. Die Software DPRSplit nutzt Dual-Pixel-RAW Dateien um diese in zwei DNG-RAW-Dateien zu zerlegen, die dann via HDR-Tool verrechnet werden können. Der Vorteil: Beide Einzelbilder wurden zur gleichen Zeit aufgenommen und unterscheiden sich nur ein wenig in der Parallaxe, was aber in den meisten Fällen nicht weiter stören sollte und von vielen HDR-Tools gut verrechnet wird.

1.4. Weißabgleich

1.4.1. neuer Modus für den automatischen Weißabgleich

Der bisherige automatischen Weißabgleich erzeugt warme rötlich/gelb anmutende Bilder bei Glühlampenbeleuchtung. Nun gibt es zusätzlich eine neue Einstellung: AWB-W. Diese wird durch den Druck auf die INFO-Taste im Weißabgleich-Menü ausgewählt. Damit wird auch bei Kunstlicht-Beleuchtung versucht ein echtes Weiß zu erzeugen. Die Bilder weisen damit eine kältere Farbbalance auf als mit AWB.

1.4.2. Weißabgleich des eingebauten Monitors

Im zweiten Setup-Menü besitzt die Canon EOS 5D Mark IV nun eine Anpassung der Farbtemperatur des eingebauten LCDs. Je nach Situation, Vorliebe und Umgebungslicht kann man hier die Anzeige von Standard (beste sRGB-Reproduktion) zu wärmer oder kälter verschieben.

1.5. Bildstil FineDetail

FineDetail ist ein neuer Bildstil der Canon EOS 5D Mark IV. Er bringt ein paar neue Voreinstellungen, die an den Scharfzeichnungsfilter einiger Fotobearbeitungsprogramme erinnern. Einstellen kann man hier mehrere Parameter: Stärke, Feinheit, Schwellenwert und Kontrast.

„Stärke“ verändert die Schärfung in den Bildecken. Die „Feinheit“ gibt die Größe der nachzuschärfenden Objekte vor. Je kleiner der Wert, desto feiner sind die Details, die nachgeschärft werden. Der „Schwellenwert“ bestimmt, wie viel Kontrast in den Bildbereichen vorhanden sein muss, damit diese als Kante erkannt und nachgeschärft werden.

Für mich ist FineDetail nun die Standardeinstellung geworden, weil ich mit der Schärfeneinstellung und generellen Bildanmutung glücklich bin.

1.6. Serienbilder

1.6.1. Serienbildrate – Einstellungen

Viele Neu-Benutzer der 5D Mark IV beklagen, dass die Kamera nicht die beworbene Serienbildrate von 7 Bildern pro Sekunde erreicht. Meist liegt dies daran, dass entweder Dual-Pixel-RAW oder die einebaute Objektivoptimierung aktiviert sind (z.B. Vignettenkorrektur). Dies verringert wegen des erheblichen Rechenaufwands in der Kamera die Serienbildrate auf etwa 5 Bilder pro Sekunde.

1.6.2. Serienbildrate – Akku

Die maximale Serienbildrate lässt sich wegen der erhöhten Stromaufnahme nur mit dem mitgelieferten Akku LP-E6N erreichen. Verwendet man z.B. die weiterhin passenden LP-E6-Akkus z.B. der 6D, erreicht die 5D Mark IV nur etwa 5 Bilder pro Sekunde.

1.7. Belichtungssteuerung

1.7.1. Einschränkung im Live-View-Modus

Die Canon EOS 5D Mark IV bietet die Möglichkeit die Belichtung um bis zu +/- 5 Blendenstufen anzupassen. Die funktioniert jedoch nicht im Live-View-Modus, hier sind nur die von vorherigen Kameragenerationen üblichen +/- 3 Blendenstufen möglich. Möchte man also den erweiterten Bereich nutzen, sollte man zuvor Live-View ausschalten.

2. Videofunktion der Canon EOS 5D Mark IV

2.1. HDR-Modus

Sollte der Dynamikumfang im Video-Modus mal nicht für die geplante Szene ausreichen, kann in der Full-HD-Auflösung optional die HDR-Funktion aktiviert werden (via Icon im Schnelleinstellbildschirm). Damit werden die Lichter etwas abgedunkelt und z.B. der helle Himmel behält so seine Zeichnung und brennt nicht aus. Als kürzestes Verschlusszeit ist im HDR-Modus 1/50s – 1/1.000s möglich. Benötigt man eine kürzere Verschlusszeit, muss man in den TV-Modus wechseln. Damit ist auch 1/4.000s einstellbar.

2.2. Zeitraffer-Aufnahmen

Der Bildstabilisator des Objektivs kann bei Zeitrafferaufnahmen von sich sehr langsam bewegenden Objekten zu störender Unruhe im Bild führen. Viele bessere Objektive besitzen eine Stativ-Erkennung und deaktivieren den Bildstabilisator selbstständig. Fehlt dem Objektiv diese Funktion, kann die EOS 5D Mark IV diesen nun auch von sich aus deaktivieren. Leider besteht nach meinem Wissen keine Möglichkeit diese Funktion zu deaktivieren.

2.3. Autofokus-Geschwindigkeit

Möchte man nun innerhalb einer Szene den Fokus auf ein anderes Bilddetail ändern, kann man mit der OS 5D Mark IV nun sehr schön auf dem Touch-Display den neuen Autofokuspunkt auswählen. Dank des neuen Dual-Pixel-Autofokusses findet die Kamera den Punkt schnell und ohne merkliches Fokus-Pumpen. Der interessante Punkt dabei ist, dass man die Geschwindigkeit des Fokus-Wechsels einstellen kann. Dies funktioniert so gut, dass man in vielen Fällen auf manuelle Fokusverschiebungen verzichten kann.

2.4. Einzelbild-Extraktion

Mit der Canon 5D Mark IV ist es nun möglich aus einem 4K-Video im Nachhinein Fotos mit etwa 8 Megalixeln aus den Videos zu extrahieren. Wer dies plant und nicht gegerell einen cineastischen Look bevorzugt, sollte darauf achten, die Verschlusszeit möglichst kurz, also kleiner als 1/60s zu wählen um möglichst scharfe Bilder extrahieren zu können. Klingt simpel, wird aber oft einfach vergessen. Genauso wird vergessen, dass sich der 4K-Videomodus damit auch vortrefflich als Serienbild-Modus mit sehr hoher Framerate „missbrauchen“ lässt.

3. Allgemeines

3.1. Aufgepasst beim Objektivtausch

Einen ganz gemeinen Fehler sehe ich immer wieder bei anderen Fotografen. Ich habe ihn auch lange selbst gemacht: Im Handbuch der Kamera steht, man soll die Kamera zu Objektivtausch ausschalten. Es steht jedoch nicht dort, warum man dies tun sollte. Darum missachten viele Fotografen diesen Hinweis, der jedoch wichtiger ist, als man denkt: Wenn der Bildstabilisator des Objektivs aktiviert ist, werden die Linsen des Objektivs beweglich gelagert um Bewegungen des Objektivs in gewissem Maße kompensieren zu können. Entzieht man dem Objektiv nun die Stromversorgung durch die Kamera, können diese Linsen nicht wieder korrekt verriegelt werden. Im schlimmsten Fall kann das Objektiv so während des Transports beschädigt werden. Wenn die Linsen im Stromsparmodus der Kamera geparkt werden, passiert nichts. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, während des Objektivwechsels den Auslöser zu berühren und so den Bildstabilisator des Objektivs zu aktivieren.

Wie gesagt, es muss nichts passieren – die Gefahr das Objektiv zu beschädigen, ist jedoch hoch.

3.2. kritische Blende der Canon EOS 5D Mark IV

Die kritische Blende bei einem guten Objektiv liegt bei ungefähr dem Doppelten der Pixelbreite (in µm). Die Canon EOS 5D Mark IV hat eine Pixelgröße von 5,35 µm (36mm/6720 Pixel), die kritische Blende liegt dann also ungefähr bei f11.

3.3. Lock-Schalter

Den Lock-Schalter gibt es bei Canon ja schon sehr lange. Bisher konnte er jedoch nur dazu eingesetzt werden, das Haupt- oder Schnellwahlrad bzw. den Joystick abzuschalten. Neu dazu gekommen ist nun die Möglichkeit, auch den Touch-Screen zu deaktivieren, was ich ungemein praktisch finde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn − vier =